Am letzten Wochenende machte ich eine Zeitreise. Diese Reise brachte mich an einen Ort meiner Kindheit. den ich regelmäßig mit meinem Vater besuchte. Auch als junger Mensch war ich oft mit Freunden dort. Was ich jetzt dort vorfand, hat meine Vorfreude doch ziemlich getrübt.
Die Radfahrerlandschaft zeigt auffälig oft das gleiche Bild, wenn Paare eine gemeinsame Radtour machen. Er vorne weg, sie hinterher. Ordnungsgemäß mit Helm, Fahrradoutfit und Warnweste ausgerüstet, geht es mit dem E-Bike auf Tour. Packtaschen fehlen ebenso wenig wie Spiegel, Navi, Halterung fürs Handy und Trinkflaschen. Er gibt vorne ordentlich Gas – weil ganzer Kerl – sie mit deutlichem Abstand hinterher, weil rasen ist nicht so ihr Ding.
Dienstag, 3:30 Uhr wecken. Husch husch unter die Dusche, anziehen, schneller Kaffee, die restlichen Klamotten im WoMo zusammen mit der Lieblingsfrau und Schwiegervater verstauen und ab geht‘s Richtung Norden, die Familie für ein paar Tage in Seedorf am Schaalsee besuchen.
Ist das nur bei uns so? Oder bei euch auch? Offensichtlich interessiert die anstehende Fußball-WM kein Schwein. Keine Autos, die mit diesen bekloppten Flaggen geschmückt sind, keine Fahnen an den Häusern – nix irgendwie. Warum nur? Dabei sollten wir dem schwachsinnigen Möhrenmann und seiner devoten Billardkugel der FIFA doch dankbar sein. Es geht doch um Völkerverständigung. Einigkeit. Oder etwa nicht?
Wir hatten lange hin und her überlegt, ob wir fahren sollen. Wettertechnisch sollte es ja schon passen, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist. Passte aber nur so lala. Wir bereuten es dennoch nicht, gefahren zu sein.
Ich bin wieder zu spät. Eigentlich bin ich selten zu spät. In dieser Sache allerdings regelmäßig. Je näher das Ende des Winters kommt, desto mehr Dinge schwirren in meinem Kopf herum, die ich mit Beginn des Frühjahrs machen will. Sind die berühmten R-Monate rum, fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren: Mensch, du hast ja noch die Winterreifen drauf.
Am Wochenende besuchten wir die Ausstellung Bau1haus von Jean Molitor in der Mischanlage auf Zollverein. Zollverein geht immer irgendwie. Zollverein? Kennze nicht? Dann wird’s aber mal Zeit.
Neulich las ich, dass das Leben ohne den Tod nicht zu haben sei. Dieser Spruch ist für unsere aktuelle Situation sehr passend. Denn im Moment wird um uns herum recht viel gestorben. Mit direktem oder indirektem Bezug.
Weihnachten vorbei, Sylvester vorbei, Schneechaos vorbei. Mein Alltag wird wieder normaler und ich versöhnlicher. Zeit, um wieder mit Unternehmungen zu starten – geplant oder ungeplant.
Wir stellen fest: Mann trägt wieder Hut, gelegentlich auch Frau. Aber überwiegend Mann. Das fiel uns in letzter Zeit immer wieder bei unseren regelmäßigen Saunabesuchen auf. Grund genug, sich damit mal gedanklich auseinanderzusetzen, auch wenn das Ganze mal wieder ein wenig aus dem Ruder lief.



































