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Nahaufnahme einer schwarzen LG Magic Remote TV-Fernbedienung, die auf einem geöffneten deutschen Fernsehprogrammheft ("TV Spielfilm", Ausgabe KW 38 / Sept 2024) auf einem Holztisch liegt. Die Fernbedienung zeigt Abnutzungsspuren am zentralen Scrollrad und verfügt über dedizierte Tasten für Streaming-Dienste wie Netflix, Disney+, Prime Video und Rakuten TV. Im unscharfen Hintergrund sind ein Taschentuchkarton und eine Tasse zu sehen.
Alltagsgeschichten

Hab ich wat anne Ohren? Wenn im Fernsehen nur noch genuschelt wird.

Hab ich wat anne Ohren? Angeblich höre ich ja nur das, was ich hören will. Gelegentlich auch mal das, was ich nicht soll. Soweit die Gerüchteküche. Aber in letzter Zeit stimmt wohl was mit meinem Fernseher nicht. Oder mit meinen Ohren?

Auffallend oft sitzen wir abends vor der Glotze und schauen uns irgendeinen Film an. Öffentlich rechtlich, Bezahlunterhaltung – egal. Und immer öfter fragen wir uns gegenseitig: „Was sagt der? Hab nix verstanden. Mach nochmal zurück. Und lauter.“ Irgendwie haben wir den Eindruck, dass in den Filmen nur noch genuschelt wird oder entwickeln wir sowas wie ne Solidaritätsschwerhörigkeit?
Und da man ja im Ruhestand UNENDLICH Zeit hat, hab ich die Zeit mal zur Recherche genutzt und siehe da – wir hams nicht anne Ohren. Also nicht so richtig.

Die Ästhetik des „Naturalismus“

Zu meiner Zeit, zur schweren Zeit, haben die meisten Schauspieler noch so richtig Schauspieler gelernt. Meistens kamen sie vom Theater, mussten Texte glasklar artikulieren und zwar so, dass sie jeder verstand. Das gilt heute als unnatürlich. „Alltagsnahes“ Sprechen ist jetzt angesagt. Und dazu gehört dann auch dieses Nuscheln. Das soll „echter“ wirken. Klingt nach hoher Schauspielkunst. Klingt für mich eher danach, dass man sich vernünftiges sprechen einfach gespart hat.


Und als wäre das nicht genug. Baumelten früher auch noch die Mikros über den Köpfen der Schauspiele, tragen die heutzutage Minimikros, die wirklich alles aufnehmen – das Rascheln der Klamotten, Schluckauf, und so weiter. Und dann kommen noch die Soundeffekte dazu. Explosionen, Autotüren, was auch immer – alles extrem laut. Und damit das mal so richtig schlecht wird, geht das natürlich auch noch zu Lasten der sowieso schon schlechten Tonqualität, die aus den Mini-Lautsprechern dieser flachen Fernseher kommt.

Harry hol schon mal den Wagen

Das saß. Da wusste man, jetzt geht es los. Da hammse wieder einen umgelegt. Derrick sagt wo’s lang geht, alle konnten den Ermittlungen folgen.


Heute nuschelt man sich gegenseitig was zu und bekommt den Eindruck, als hätten die ihr Brötchen noch nicht ganz aufgegessen. Wir „spulen“ zurück, machen lauter und verstehen noch so gerade „Mord“ bevor der Schnitt kommt und die Autotür zuschlägt. Wie ein Kanonenschlag. Kawummm!!! So schnell kannste gar nicht leiser machen. Die Nachbarn wissen jetzt, was wir schauen.


Wir haben nämlich aufgerüstet. Eine Soundbar thront jetzt unter dem Bildschirm, denn der Sound unserer flachgeklopften Glotze klingt, als ob jemand aus einer Konservendose sprechen würde.
Die Soundbar tut zwar ihr Bestes, liefert uns aber das „mmpf grmmbbl“ jetzt einfach nur in glasklarer, high-fidelity Qualität. Dafür ist die Musik voll laut und die Effekte ballern dir um die Ohren, so dass Außenstehende meinen könnten, im Hause Haldewitzka ist Krieg ausgebrochen.


Und so sitzen wir beim gemeinsamen Fernsehabend, die Fernbedienung in Bereitschaft – Lautstärke hoch bei den Dialogen, Lautstärke runter bei den Verfolgungsjagden.


Vielleicht würde es Sinn machen, einfach die Untertitel einzuschalten. Das schont Daumen und Fernbedienung. Denn die Daumenabdrücke auf der Lautstärketaste lassen sich inzwischen nicht mehr verbergen.

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Martin Pesch

Martin Pesch - Blogger, Fotograf und Autor. Ruheständler mit Reiselust und Hang zu kreativen Eskapaden. Mit Beginn des Ruhestands habe ich nun Zeit und Lust mein Leben in Worte zu fassen. Früher war mehr Dia-Abend, heute mehr Blog.

12 Comments

  • Eddy

    Danke für diesen Artikel! Ich bin also nicht allein. Und fühle mich schon viieel besser. Was du beschreibst, kenne ich nämlich aus dem eigenen Wohnzimmer: Ich habe schon seit längerer Zeit die Fernbedienung ständig in der Hand, damit ich je nach Situation lauter oder leiser machen kann. Bislang dachte ich, ich sei eine Ausnahme. Nun glaube ich: Wir sind viele! 😄

    Liebe Grüße 🌻

  • Britta Langhoff

    Cool, dass Du das recherchiert hast. Das geht mir nämlich auch sowatt von auffe Nerven. Und ich dachte tatsächlich, das liegt irgendwie an mir und gestiegener Reizempfindlichkeit. Weiß ich das jetzt auch.
    Besonders ätzend ist das mit der wechselnden Lautstärke, wenn wir an Bord über den Laptop gucken. Im Boot sitzen wir nun mal auf engem Raum und wenn dann da auf einem laute Knallgeräusche sind, fällt man fast von der Bank. Kennste bestimmt auch vom Wo-Mo.

  • Susanne

    Ach, wie gut kenne ich das. Ich dachte immer, es liegt an meinen Ohren, dass ich die Dialoge so schlecht verstehe. Meine Maßnahme sind Untertitel. Ich schaue kaum mal einen Film, ohne sie einzuschalten. Ist viel entspannter, als ständig auf der Fernbedienung herumzudrücken.

  • Lizzy

    Glotze guck‘ ich ja nur noch selten und wenn der Beste es in meiner Gegenwart tut, dann mit Kopfhörern. Aber wenn ich doch mal anmache oder mitgucke, dann – seit die Dinger so flach geworden sind – noch niemals mit Tonausgabe auf Fernsehlautsprecher. Ich hab‘ mich aber (vor vielen Jahren schon – bin ich älter oder memminger?) mit relativ normalen aber qualitativ schon auch hochwertigen Bluetooth Stereo-Lautsprechern zufriedengegeben. Mediathek meist auf dem iPad mit inear- oder overear-Earpods. Und im WoMo muss es schon arg langweilig sein und tagelang aus allen Kanälen schütten, gleichzeitig wo auch immer ich stehe gescheites WLAN existieren … aber in der Regel ist dort glotzefreie Zone.

  • Marie

    Die Erwähnung von good old Derrick ist lustig, denn – Duplizität der Ereignisse – wir schauen gerade alte Folgen auf yt.
    Und kringeln uns ob der Dialoge, der Handlung und vor allem wegen des staubtrockenen Protagonisten. Aber, ja! Verstehen kann man ihn gut.
    Ich höre ausgezeichnet, habe aber auch oft Probleme, manchen Dialogen zu folgen. Ich schob das bisher auf schlechte Raumakustik, nun weiß ich es besser.
    Statt Untertiteln kann man auch Kopfhörer nehmen, was allerdings die Kommunikation untereinander ein wenig einschränkt. Je nach Stimmung im Hause muss das nicht schlimm sein.
    LG
    Marie

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