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Ein einzelner Fußball mit schwarzem Trauerflor auf schwarzem Hintergrund. Aus feinen Rissen im Ball quellen Dollarscheine hervor. Dramatische Beleuchtung, symbolisch für den Tod des ursprünglichen Fußballs durch Kommerzialisierung. Minimalistisch, hochwertig, satirisch, 4:3.
Alltagsgeschichten

Wenn die Fußballmafia feiert: warum meine Glotze aus bleibt

Ist das nur bei uns so? Oder bei euch auch? Offensichtlich interessiert die anstehende Fußball-WM kein Schwein. Keine Autos, die mit diesen bekloppten Flaggen geschmückt sind, keine Fahnen an den Häusern – nix irgendwie. Warum nur? Dabei sollten wir dem schwachsinnigen Möhrenmann und seiner devoten Billardkugel der FIFA doch dankbar sein. Es geht doch um Völkerverständigung. Einigkeit. Oder etwa nicht?

Kommerzieller Größenwahn im Pay-TV

In Deutschland hält sich die Begeisterung für diesen organisierten Größenwahn in engen, homöopatischen Grenzen. Knapp 40 Prozent verspüren laut Umfragen überhaupt noch so etwas wie Vorfreude. Dank der Zeitverschiebung finden die Top-Spiele tief in der Nacht statt. Ok, gemeinsame Grillabende mit Fussball kucken – geschenkt. Wer die gesamte Pracht der 104 Spiele kucken will, muss erstmal ein exklusives Streaming-Abo abschließen. Auch geschenkt. Man gönnt sich ja sonst nichts. Mal so richtig einen raushauen – der Welt zeigen, dass man noch da ist. Dass das Leben ohnehin schon teuer genug ist? Egal. Auf die paar Penunsen kommt’s auch nicht mehr an.

Früher war mehr Lametta: Die dunkle Zeit des Fußballs

Damals, zu meiner Zeit, der dunklen Zeit des Fußballs, haste die Glotze angemacht und Fußball geschaut. Fußball für alle. Im Ersten oder im Zweiten. Immer fein im Wechsel. Mit Familie, Fanta und Erdnussflips. Da hatte noch jeder was davon. 

Und heute? Heute überreicht eine aalglatte Billardkugel einem Wahnsinnigen einen extra kreierten „FIFA-Friedenspreis“ während der Rest der Welt aus den Fugen gerät und nennt das „Football unites the world“. DAS ist jetzt Fußball. Leck mich fett…

Einreise-Skandale und wortreiches Schweigen

Besonders deutlich wird diese Harmonie an der Grenze. Der somalische Schiedsrichter Omar Artan, als bester Schiri Afrikas nominiert, durfte diese Gastfreundschaft am Flughafen von Miami am eigenen Leib erfahren. Trotz gültigen Visums und FIFA-Akreditierung hieß es für den Mann direkt: Bitte wenden und husch husch wieder nach Hause. Die Begründung? „Sicherheitsbedenken“. Passend dazu die Äußerungen des Durchgeknallten „Somalis kommen aus einem korrupten Land, einem ekelhaften Land, einem der schlimmsten Länder der Welt“, sie besäßen „niedrige IQs“, seien „dumme Leute“. 

Die FIFA dazu? Wortreiches Schweigen. Und die Billardkugel? Kein Mucks. So funktioniert modernes Arschkriechen – wenn es dort ohnehin nur nicht schon so voll wäre.

Aber der Wahnsinn geht munter weiter. Dutzenden Fans, die im guten GlaubenTickets, Flüge und Hotels gebucht hatten, wurden die Einreisegenehmigungen entzogen. Kritische Journalisten erhalten keine oder nur unzureichende Visa. Und die FIFA so? Nix. Schweigen im Walde. Sie reagiert mit ihrer gewohnten heroischen Unterwürfigkeit. Aber Hauptsache die Kasse klingelt. 

Dynamisches Ticketkonzept: Gier regiert die Welt

Das Ticketkonzept? Dynamisch. Soll heißen, keine fixen Ticketpreise. Der Ticketpreis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Aktueller Preis für ein Finalticket: knappe 11.000 Dollar. Die Tickets werden natürlich nur über die Resale-Plattform der FIFA verkauft und hier kassiert die Fußballmafia nochmal 15% vom Käufer UND Verkäufer. Läuft. Gier regiert die Welt. Von der restlichen Abzocke rund um die Stadien – wie den absurden Parkplatzgebühren von bis zu 300 Dollar oder den explodierenden Preisen für die Nahverkehrszüge zum Stadion – wollen wir gar nicht erst anfangen. Da werd ich hier überhaupt nicht fertig.

Klimaschutz im Fünf-Stunden-Takt

Aber am Ende wird das Turnier natürlich ein gigantischer Erfolg. Wie immer. Jedenfalls für die FIFA-Kasse und das Ego des durchgenkallten Möhrenmannes. Und für das Klima sowieso. Denn nichts schont die Umwelt mehr, als 48 Mannschaften im Fünf-Stunden-Takt per Flugzeug über drei Zeitzonen und fünftausend Kilometer Distanz zu jagen. Man spürt förmlich, wie die Welt aufatmet. Währenddessen bleibt der Fernseher in Deutschland einfach aus. Schlafen ist schließlich auch schön.

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Martin Pesch

Martin Pesch - Blogger, Fotograf und Autor. Ruheständler mit Reiselust und Hang zu kreativen Eskapaden. Mit Beginn des Ruhestands habe ich nun Zeit und Lust mein Leben in Worte zu fassen. Früher war mehr Dia-Abend, heute mehr Blog.

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