Dienstag, 3:30 Uhr wecken. Husch husch unter die Dusche, anziehen, schneller Kaffee, die restlichen Klamotten im WoMo zusammen mit der Lieblingsfrau und Schwiegervater verstauen und ab geht‘s Richtung Norden, die Familie für ein paar Tage in Seedorf am Schaalsee besuchen.
Die Entscheidung, sich quasi mitten in der Nacht auf den Weg zu machen, war goldrichtig. Waren doch wieder massive Temperaturen angesagt. Und bevor es richtig los geht mit der Rösterei, wollten wir in Seedorf sein. Klimaanlage hin oder her, durch die große Frontscheibe an unserem WoMo brennt die Sonne doch recht ordentlich.
Die Hotspots des Berufsverkehrs durchquerten wir geschmeidig und kamen fast überall gut durch. Wenn da nicht wieder Hamburg gewesen wäre. Stau und Hamburg. Eine Leidenschaft die Leiden schafft. Es geht nie ohne. Egal ob du durch Hamburg durch, dran vorbei oder drumherum fährst. Stau ist immer. Diesmal hielt es sich zum Glück in Grenzen.
In Seedorf angekommen, das WoMo flugs an geeigneter Stelle bei der Verwandtschaft abgestellt und eingerichtet – dann ruhen. Ausgiebig ruhen. Nur keine Anstrengung bei dieser Hitze. Die Kastanie in Nachbars Garten spendete großzügig Schatten auch über die Gartengrenze hinaus und war daher die erste Wahl bei der Ruheplatzsuche.

Der Plan war, immer mal wieder kurz in den Schaalsee zu springen – konnten uns aber nicht aufraffen. Die Kastanie hielt uns mit ihrem Schatten und den angenehmen Temperaturen gefangen. Um in den ultimativen Genuss einer Abkühlung zu kommen, hätten wir uns auf den Weg zur Badestelle ins Dorf machen müssen. Nur eine Minute mit dem Rad aber für uns gestern zu aufwändig. Kastanienschattenkühle, ruhen und Musik hören funktioniert auch ganz hervorragend.
Der Schaalsee wird übrigens selbst bei diesen Temperaturen, egal wie lang sie anhalten, nie richtig warm. Wie auch? 24 Quadratkilometer groß und stellenweise 70 m tief. Am Ufer natürlich Badewannenfeeling aber nach wenigen Schwimmzügen passt das.
Irgendwann mussten wir uns dann doch aufraffen. Um 17:00 war nämlich Familiengeburtstagsessen im Fischerhause am Ratzeburger-See angesagt. Da ich grundsätzlich keine kostenlose warme Mahlzeit ablehne, ging es mit den Rädern in Richtung Ratzeburg. Aber irgendwas ist ja immer.
Diesmal hatte das Damenrad wieder mal einen Platten. Wie macht meine Frau das nur immer – trotz unkaputtbarer Reifen regelmäßig Plattfüße produzieren? Also – Rad in Cousines Auto verladen und bequem nach Hause fahren lassen. Alleine machte ich mich auf den Rückweg. Kaum raus aus Ratzeburg, hatte ich die geballte Ladung Natur für mich. Keine Menschenseele getroffen, außer Fahrtwind keine Geräusche und wie immer grandiose Landschaft. Ich entschied mich für einen kleinen Umweg, vorbei an dem einen oder anderem Gestüt, endlosen Feldern und Weiden. Die Landschaft hier zieht mich immer wieder in ihren Bann.
Aber heute ist erstmal Reifen flicken angesagt. Danach mit Sicherheit zahlreiche Probefahrten zur Badestelle. Die Kastanie aus Nachbars Garten bekommt auf jeden Fall auch wieder ihre Chance. Ich befürchte, so werden die nächsten Tage verlaufen. Soll ja mördermäßig heiß werden. Dann wird‘s wohl ordentlich zischen, wenn ich mit ner gepflegten Arschbombe in den See springe.




9 Comments
Lizzy
Jetzt musste ich aber mal Google fragen, was für dich „nie so richtig warm“ konkret bedeutet. Das Internet antwortete mir, die aktuelle Temperatur läge bei 21°-23°C. Da wäre ich garantiert nicht zu faul zum Reinspringen gewesen sondern im Gegenteil vermutlich gar nicht mehr rausgekommen! Wobei mir 23°C fast schon einen Ticken in Richtung „zu warm“ geht … ist eben alles relativ.
Klingt aber beneidenswert! Und das Foto sieht auch danach aus. Was Hamburg angeht … ich bin am Wochenende durch F(K)rankfurt gefahren – da sieht‘s verkehrstechnisch niemals besser aus und die Rhein-Main-Metropole kann locker mit Hamburg mithalten. Und dort steht man sogar im ICE im Stau.
Mein Rad hat auch diese „unkaputtbaren“ Mäntel – lange traf die Bezeichnung auch zu aber nach einigen Jährchen und Kilometern ging‘s los mit den Schwächen. Ich flicke da inzwischen nicht mehr lange rum bzw. lasse flicken. Schläuche werden prinzipiell ausgewechselt wenn die Möglichkeit besteht und wenn auch nur der Hauch des Verdachts besteht, dass der Mantel schon schwächeln könnte (immer gut auf Fremdkörper wie z. B. winzige drinsteckende Dornenstückchen untersuchen), dann ist auch der fällig. Es geht doch nix über ein Rad, das jahrelang keinen Reparaturbedarf meldet …
Martin Pesch
Die 21 Grad haste aber nur die ersten Meter am Ufer. Je weiter man rausschwimmt, desto kühler. Einfach herrlich…
Opalino
hallo Martin, sehr schöner Beitrag! den schaalsee habe ich nicht gekannt. bislang. eine gute Idee bei der hitzewelle an so einem See zu sein.
Liebe grüße, opalino
czoczo
Hallo Martin,
Was für fantastische blick von oben… und bei dem Wetter ist die Gegend wahrscheinlich das richtige Wahl. Vor allem wen man dazu noch das Kostenloses Verpflegung dazurechnet war dein Ausflug Richtung Norden das Beste was du machen konntest.
Und das Nachtfahren … ich hab immer geliebt. Noch wo die Kids jung waren, habe ich meine Polenreise auch auf die Dunkelzeit immer vorgeschoben. Wen die Passagiere schlafen … hat man seine Ruhe. Und auch der verkehr ist in diese Zeit überschaubar.
Viel Spaß noch im Norden
czoczo
Martin Pesch
Danke Marius … ja hier lässt es sich sehr gut aushalten. Als ich früher noch auf Nachtschicht war, sind wir auch immer die Nacht durchgefahren, wenn es in den Urlaub ging. Das schaffe ich aber heute nicht mehr. Diese Variante passt aber auch ganz gut.
Opalino
hallo Martin!,
dein Beitrag gefällt mir sehr gut. und den schaalsee kannte ich bislang noch nicht.
das Beste was man tun kann bei der Hitze.
da wäre ich jetzt auch gerne und dann arschbombe um arschbombe ins Wasser.
Liebe Grüße, Opalino
Martin Pesch
Ja die Abkühlungen waren echt perfekt. Danke dir…
Britta Langhoff
Die Gegend war mir bis gerade total unbekannt. Sieht aber super schön aus, das würde mir auch gefallen. Ich hab Deinen verlinkten Beitrag auch gelesen, wie schade, dass sich das so schwierig gestaltet mit der Dorf-Infrastruktur und den Neuansiedlungen. Bitter.
Es war wirklich zu warm zu alles – auch schade, das.
Martin Pesch
Ja die Gegend ist phänomenal. Jedesmal ein Genuss.