Wir hatten lange hin und her überlegt, ob wir fahren sollen. Wettertechnisch sollte es ja schon passen, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist. Passte aber nur so lala. Wir bereuten es dennoch nicht, gefahren zu sein.
Natuurcamping Boezeven: Wo „Nichts“ die beste Ausstattung ist
Wer auf diesem Blog schon länger rumschnüffelt, weiß, dass wir gerne im Nirgendwo stehen. Es müssen nicht immer Fünf-Sterne-Glamping-Hochglanz-Stellplätze sein. Einfach tut es auch. Und genau so einen Stellplatz hatte die Lieblingsfrau mal wieder gefunden. Den Natuurcamping Boezeven in Kessel in den Niederlanden. Klein, abgelegen zwischen Feldern und Wald, in der Mitte ein Angelteich, die Stellplätze drumrum verteilt, Sanitärgebäude – alles passt.

Die Wettervorhersage für das lange Fronleichnam-Wochenende war alles andere als gut. Regen, Wind, wenig Sonne. Die letzte Reise mit dem Wohnmobil lag zwar noch nicht so lange zurück, aber sie war definitiv zu kurz. Insbesondere bei meiner Frau hielt die Erholung nicht lange an und eine, wenn auch nur kurze Auszeit, war wieder dringend nötig.
Also ging es am Donnerstagmorgen los. Den Campingplatz erreichten wir im Trockenen. Außer uns standen dort noch drei Wetterfeste auf dem Platz. Angenehm übersichtlich. Kaum eingerichtet, ging es auch schon los mit dem versprochenen Regen.
Intensive Regenbeobachtung für Fortgeschrittene
Als es gegen Abend aufhörte, schwangen wir uns auf die Räder und sind nach Kessel geradelt. Und in Kessel ist? Richtig. Nix. Überhaupt nix. Schön wohnen kann man da. Direkt an der Maas. Sehr teuer vermutlich, wenn man sich die Häuser so ansieht. So mit das Einzige, was man in Kessel machen kann, ist sich das Schloss für teuer Geld anzuschauen. Haben wir von außen gemacht. War auch ok. Ansonsten: Am Ufer der Maas hocken. Wasser kucken. Und Schiffe. Diesmal aber mit Sonne. Abwechslung muss schon sein.
In der Taktung ging es weiter. Freitagmorgen – Kaffee trinken, frühstücken, lesen, schreiben, zeichnen, Teich bekucken (alles beim Alten), ein wenig durch die Gegend radeln, bis am Nachmittag der Regen wieder einsetzte. Wir haben es sogar fast trocken zum WoMo geschafft. Dann wieder alles auf Anfang.

Fotowalk in Venlo und die Kunst der Belohnung
Samstag war sogar eine längere Regenpause angesagt. Theoretisch. Also ab auf die Räder, Kameras eingepackt und los ging es Richtung Venlo zum Fotowalk. Die Regenponchos packten wir dennoch sicherheitshalber mit ein. Gute Entscheidung, denn irgendwann wurde es dunkel und wir sahen zu, dass wir schnell den Heimweg antraten. Der Regenschauer erwischte uns aber trotzdem und als wir in Kessel ankamen, strahlte auch schon wieder die Sonne. Und weil wir so tapfer durch den Regen gefahren sind, mussten wir uns selbstverständlich für diese Leistung großzügig belohnen. Also ab in die örtliche Eisdiele. Die Eisbelohnung war mehr als angemessen. Leider vergaß ich ein Foto zu machen, so begeistert waren wir von der Kreation. Hilft nix, müssen wir halt wieder hin.

Am Sonntag war es trocken. Eigentlich war nochmal eine kurze Radtour nach Venlo geplant. Wegen des starken Windes entschieden wir uns aber für einen langen Spaziergang. Irgendwas ist ja immer. Und dann war es auch schon wieder soweit, dass wir unsere Piselonten einpacken und den Heimweg antreten mussten.
Fazit: Warum echtes Nichtstun im Ruhestand so wertvoll ist
Nix erlebt, relativ viel Regen, wenig unternommen aber maximal entspannt. Da wir vorher ja den Wetterbericht ausführlich studiert hatten, kam natürlich auch jede Menge Zeugs mit. Zwei Bücher, Vokabelbuch, Zeichensachen, Laptop, tablet. Was habe ich davon gebraucht? Nix. Mehr als Zeitung- und Bloglesen war irgendwie nicht.
Ich merke immer wieder, wie gut mir echtes Nichtstun tut. Ich grübele nämlich gelegentlich zu viel. Das ist nichts Neues. Aber manchmal reicht es, einfach da zu sitzen, dem Regen zuzuhören und aufs Wasser zu starren. Dann ist meistens Ruhe. Hat wieder funktioniert.
Und der Campingplatz war der ideale Fleck dafür, auch wenn er sich am Freitag etwas füllte. Die Menschen, die hier stehen, wollen auch nichts erleben. Jeder hier hatte das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung. Hier gibt es absolut nichts. Der Supermarkt ist das herausragende Highlight in Kessel. Aber genau deswegen sind wir ja hierher gekommen.



