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Campingplatz Rumkerhof. Fahrweg mit Wohnmobilen rechts und link. Blick auf das Hauptgebäude im Hintergrund
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Bad Sassendorf: Kurort, Sauna und eine Frau, die nicht eingeladen wurde

Das zu erwartende schöne Wetter trieb uns raus in die Ferne. Bad Sassendorf um genau zu sein. Ungefähr eineinhalb Stunden mit dem Wohnmobil von uns entfernt. Ein ideales Ziel für einen Wochenendtrip mit dem Wohnmobil.

Kur-Camping Rumkerhof Bad Sassendorf: Wohnmobile auf dem Stellplatz, Kaffee im Freien mit Ruhrpott-Tassen, schwarze Campingplatz-Katze

Kurorte – anscheinend unser Ding

Offensichtlich haben wir in der letzten Zeit eine Vorliebe für Kurorte entwickelt. Eine Bädertour sozusagen. Zumindest in der Winterzeit. Bad Karlshafen, Bad Westernkotten, Bad Salzuflen und jetzt auch noch Bad Sassendorf. Alle Orte haben eines gemeinsam: eine Thermenlandschaft mit ansprechendem Saunaangebot. Und Sauna ist ja auch voll unser Ding. Außerdem lässt es sich in diesen Kurorten ganz gut aushalten. Wir fühlen uns dort recht wohl, was mich jetzt, während ich das hier so aufschreibe, doch ein wenig irritiert. Früher Halligalli, jetzt Kurorte. Naja, offensichtlich wird man doch älter und ruhiger. Sei‘s drum.

Campingplatz Runkerhof – ein ehemaliger Bauernhof

Die Stellplatzsuche gestaltete sich wie gewohnt per diverser Apps recht einfach. Ziel am Donnerstagnachmittag war der Campingplatz Rumkerhof. Ein ehemaliger Bauernhof, mit großzügigen Stellflächen und einem noch großzügigeren Waschhaus. Der Platz liegt am Ortsrand und alle Parzellen erschienen uns gleich gut. Also kein langes Suchen. Da wir schon Donnerstags anreisten, hatten wir eh genug Auswahl.

Räder abgeladen, Bad Sassendorf erkunden. Was soll ich sagen – ein Kurort halt. Klamottenläden für den Kurgast ab gefühlten 70, Restaurants mit überwiegend ambitionierter Preisgestaltung, zwei Eiscafés. Fertig. Nach diesem ersten Eindruck ging es dann wieder zurück zum Stellplatz.

Collage aus Bad Sassendorf: Brunnen mit Bronzefiguren vor Fachwerkhäusern, Skulptur zweier Frauen, Kurpark im Winter mit kahlen Bäumen

Die Bördetherme – acht Saunen und ein Laufkilometer

Den Freitag hatten wir uns als Saunatag ausgesucht. Mit dem Rad ruckzuck zur Bördetherme. Im Internet buchten wir vorab schon mal die Tickets, denn diese 5-Sterne-Therme soll immer sehr gut besucht sein.

Die Anlage ist riesig. Acht Saunen sind auf dem weitläufigen Gelände verteilt. Da läufst du dir echt nen Kipparsch. Aber egal. Besonders gut gefallen hat uns, dass ein Teil des Gradierwerks direkt in die Thermenlandschaft integriert ist. In diesem Teil befindet sich zusätzlich eine kleine Sauna plus Ruheraum, und durch die große Glasfront schaust du direkt auf das gesamte Thermengelände. Überall genug Platz, um sich nach dem Saunagang auszuruhen – drinnen wie draußen auf den Liegewiesen. Ein zweigeschossiges Ruhehaus hatte ich auch noch nirgendwo gesehen. Einfach sehr schön. Einfach perfekt.

Bei diesem famosen Wetter ruhten wir wischen den Saunagängen entspannt draußen und genossen die Sonne. Herrlich. 

Gradierwerk Bad Sassendorf: Innenansicht mit Rundbogen-Durchgang, Nahaufnahme der Schwarzdornwände mit Soleriese, Holzkonstruktion von innen und außen

Irgendwann allerdings belegten zwei Frauen direkt die Liegen hinter uns. Und zack – vorbei mit der Ruhe. Tonalität, Klangfarbe und Tempo des Vortrags rissen mich schlagartig aus meinem Dämmerzustand. Als ob mir jemand maschinengewehrsalvenartig Worte direkt ins Ohr brüllen würde.  

Also von einer der beiden. Der Vortrag der Beschwerdeführerin wurde von der anderen nämlich in regelmäßigen Abständen nur mit einem zustimmenden „mmmm“ oder einem entsetztes „NEIIIN“ kommentiert. Passend in Tonlage und Lautstärke aber immer noch deutlich zu hören. Ich vermutete, dass Thema sollte, wegen des lautstarken Vortrags, alle Anwesenden interessieren. Also verfolgte ich den Monolog aufmerksam. Will mir ja nicht wieder sagen lassen, ich würde nicht zuhören. 

Im Groben ging es wohl darum, dass eine gewisse Eva zu einer Feier einlud. Anfangs stand die Beschwerdeführerin auch noch auf der Gästeliste. Jetzt aber nicht mehr. Schwuppdiwupp – wieder ausgeladen. Einfach so. Ohne Grund. Die Beschwerdeführerin vermutete, dass wohl irgendwas zwischen Eva und ihr stehen würde, fand aber keine richtige Erklärung. Ich schon.  Könnte da durchaus weiterhelfen. Das Rätselraten um den Ausladungsgrund ging noch eine Weile weiter. 

Aber irgendwann wird es ja mal wieder Zeit für den nächsten Saunagang. Ein Rosmarinaufguss stand an. Den wollten wir nicht verpassen. Rosmarin soll ja sehr entspannend sein. Also erhoben wir uns von unseren Liegen und marschierten Richtung Rosensauna. 

Auf dem Weg dorthin teilte ich der Beschwerdeführerin meine ganz persönliche Vermutung für die Ausladung mit. Nämlich, dass Eva wohl befürchte, dass, wenn die Beschwerdeführerin auch zu Feier käme, würden weder sie, noch ihre Gäste an diesem Abend jemals zu Wort kommen. Ganz zu schweigen von Kopfschmerz und Hörschäden.

Was ich denn wohl für ein Arschloch sei und ob ich bescheuert wäre? Dabei dachte ich, hilf mal ein wenig bei der Aufklärung. Vielleicht bringts ja was. War auch wieder nicht richtig. Verrückte Welt.

Wir haben uns aber doch noch sehr gut in der Sauna erholen können und sind bis abends geblieben.

Soest Altstadt: Belebter Marktplatz mit Fachwerkhäusern, Karton mit Aufschrift Zu verschenken, Blick über Teich auf Kirche und historische Häuser

Soest – sieben Kirchen, zwei Kapellen und ne Menge Geschichte

Den ganzen Samstag verbrachten wir in Soest. Sechs Kilometer von Bad Sassendorf entfernt und mit dem Rad schnell zu erreichen. Ein sehr schönes Städtchen, das ich bis dahin noch nicht kannte. Sieben Kirchen und zwei Kapellen befinden sich noch heute allein innerhalb der historischen Stadtbefestigung. SIEBEN KIRCHEN. ZWEI KAPELLEN!!! So fromm kann man doch überhaupt nicht sein.  Dazu noch ne Menge vielfältiger Bürgerhäuser, Kneipen und Restaurants. Und alles kannst du dir ganz bequem zu Fuß anschauen. Also, nix wie hin, wenn du die Möglichkeit dazu hast.

Nachdem wir am Samstag wirklich sehr gut zu Fuß unterwegs waren, sind wir den Sonntag ganz entspannt angegangen. Mittags zum Kurpark geradelt, in der Sonne am Gradierwerk gesessen, gezeichnet und ein wenig fotografiert. Am späten Nachmittag leider wieder nach Hause. 

Wiesenkirche Soest: Gotisches Kirchenschiff mit bunten Glasfenstern, mittelalterliche Wandmalereien, romanischer Taufstein mit ornamentaler Bemalung

Fazit: Würden wir nochmal fahren?

Würden wir dort wieder hinfahren? Wegen Bad Sassendorf selbst eher nicht. Für uns hatte die Innenstadt nicht wirklich viel zu bieten. Aber das ist ja reine Geschmacksache. Wegen der Therme und des Campingplatzes: auf jeden Fall. Das hat sich wirklich gelohnt. Und Soest sowieso. Und da alles mit dem Rad ruckzuck zu erreichen ist, ist es eigentlich egal, ob Bad Sassendorf spektakulär ist oder nicht. Auf der persönlichen Weltrangliste der Kurorte führt aktuell immer noch Bad Salzuflen.

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Martin

Ruheständler mit Reiselust und Hang zu kreativen Eskapaden. Mit Beginn des Ruhestands habe ich nun Zeit und Lust mein Leben in Worte zu fassen. Früher war mehr Dia-Abend, heute mehr Blog.

10 Comments

  • Marie

    Sehr schön geschrieben – ich konnte mir beim Lesen alles sehr gut vorstellen und besonders die Beschwerdeführerin hatte ich deutlich vor Augen. Und auch in den Ohren…
    Lautes, rücksichtsloses Dauergelaber löst bei mir zwischen Fluchtreflex und Aggression eine Reihe von Gefühlen aus – in erster Linie bin ich aber jedesmal aufs Neue entsetzt, dass Menschen so ignorant sein können.
    Oft sind das auch die Leute, die für sich selbst „Respekt“ einfordern, ohne selbst auch nur ein Fünkchen davon aufzubringen. Grässlich.

    Zum Thema Kurstädtchen – wir sind vor kleinen 30 Jahren einmal auf der Durchreise in so einem Ort gestrandet und haben uns mit unseren jugendlichen und abendfüllenden Lästereien über Kukident- und Tena-Nutzer wertvolle Punkte für die Logenplätze dermaleinst in der Hölle gesichert.
    Was wussten wir davon, wie sehr die Prioritäten im Leben sich verschieben werden und die geriatrischen Features (bei uns zum Glück noch keine, die den Einsatz der o.g. Hilfsmittel erfordern) mit zunehmendem Alter in wahlloser Reihenfolge vom Körper aufgeschaltet werden?
    Hören allerdings kann ich hervorragend sagt meine HNO – und, da schließt der Kreis sich, halt nicht auf taub gehen, wenn irgendwelche Dauerquatscher lautstarken Mitteilungsbedarf haben.

    Mit morgendlich ruhigen Grüßen vonner Weser von

    Marie

    • Martin

      Martin

      Ja, manche Menschen können tatsächlich unfassbar nerven. Richtig steil könnte ich gehen, wenn so Zeitgenossen meinen, alle während eines Saunagangs unterhalten zu müssen. Aber da kommen dann schnell die ersten Kommentare.
      Ich mach mich ja auch immer wieder gerne ein wenig über Kurorte lustig, auch wenn es vielleicht unangebracht ist. Aber ich kann manchmal halt nicht anders. Ist ja auch nie böse gemeint.

  • Uschi

    Angenehm und gut geschrieben. Du machst es interessant, obwohl Kurorte und Campingplätze sonst nicht mein Interessengebiet sind. Und Dein nettes Hilfsangebot an die Beschwerdeführerin, ist das I-Tüpfelchen.

  • Lizzy

    Da wollte ich doch – dankbar für den ThermenTipp – selbige in meiner GoogleMaps-Thermenliste dötzeln, und sehe: hab‘ ich eh schon. Aber dran erinnert zu werden, kann nicht schaden. Vielleicht schaffe ich in diesem Jahr meinen schon lange geplanten „Nostalgie-Westfalen-Trip“ mit Mobil. Dann käme auch Soest auf die Liste – das war noch nicht. Denn: dort war ich vor Jahrzehnten mehrfach (verkaufend auf Weihnachtsmarkt und durchfahrend mit dem Zug), erinnere mich aber null und es sieht in der Tat reizvoll aus. Zumal – du schreibst es zutreffend – die Interessensgebiete sich mit den Jahrzehnten deutlich verschieben.

    Kleine Klugscheisserei meinerseits am Schluss (ungefragte Kommentare kann ich auch 😛): die Wirkung von Rosmarin ist nicht entspannend sondern im Gegenteil belebend, erfrischend und mental wach machend: https://www.fitforfun.de/gesundheit/rosmarin-gruene-power-aus-dem-kraeuterbeet-222517.html

    • Martin

      Martin

      Ach soooo, das erklärt jetzt so einiges. Vermutlich mal wieder nicht richtig zugehört, als das mit dem Aufguss erklärt wurde.
      Wenn du den Nostalgie-Trip machst, dann schau da mal auf jeden Fall vorbei.

  • bahnwärterin

    wir mussten neulich im restaurant tatsächlich um einen anderen tisch bitten wg. einer „dame“, die ihren armen teeny-enkeln lautstark dünnes erzählte…..
    die einzige kurstadt, die wir mal bewusst besuchten, ist karlsbad/karlovy vary – allerdings standesgemäss im gründerzeithotel gewohnt 😀
    schöne fotos!
    xx

    • Martin

      Martin

      Ooooh, die feinen Herrschaften im einem Gründerzeithotel … schau mal einer an. 😉😉😉 Sehr schön. War bestimt toll.
      Ja, manche Menschen sind wirklich schwer zu ertragen. Aber Hauptsache, ihr hattet hinterher eure Ruhe.

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